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Spannung, Sensibilität

Galerie Vinelz: Zeichnungen von Erich Müller-Santis

Der Bund, 4. September 1990

msh. Erich Müller-Santis hat sich einen Wunsch erfüllt: In der Galerie Vinelz stellt der Maler bis 23. September Zeichnungen aus.
Er nimmt Katzen, Bäume und Häuser zum Vorwand, denn nicht der gezeichnete Gegenstand ist ihm wichtig, sondern die Art und Weise, mit der die Räume zwischen den Strichen und Flächen erfasst werden.
Dort auch zeigt sich die persönliche Handschrift des Künstlers, seine Sensibilität und Lebendigkeit gegenüber Mensch und Natur.
Bäume werden im Rhythmus ihrer Blätter und Astbewegungen gezeichnet: In der Nacht reicht der Blick weniger weit, dafür rückt das, was wir sehen, näher zusammen und die Struktur der Welt wird dichter.
In den Zeichnungen von Erich Müller-Santis hört die Bewegung nicht auf. Was er mit Graphit- und Bleistift in die Blätter legt, hat in ihr seinen Anfang. Wer sich auf die Zeichnungen einlässt, der spürt die Spannung, die in ihnen liegt, der führt die Bewegung weiter, über das Blatt hinaus: Die Zeichnungen lösen ein Zwiegespräch aus und lassen einen so schnell nicht wieder los.
Denn ob sich nun bei einer Katze die eckige Form ihres Kopfes, ihr weiches Fell und ihre geschmeidige Bewegung gegenüberstehen oder bei einer Tänzerin Körper und Tuch sich gegenläufig bewegen - es liegen sich zwei Pole gegenüber.
Die Spannung, die von ihnen ausgeht, lockt hin und her und zwingt den Betrachter, sich zu bewegen und einen eigenen Standort zu suchen. Zur Ruhe allerdings findet man nicht. Denn die Spannung zwischen Spiel und Kampf - manchmal auch mit dem eigenen, inneren Tier - ist es, welche die Bilder so lebendig und belebend macht.